„Die Aufgabe des Arztes sollte es sein, Gesundheit zu finden. Krankheit kann jeder finden.“ [Andrew Taylor Still, 1828 - 1917]

Rückenschmerz aus Sicht der Osteopathie
Fachartikel, erschienen Juni 2016 in der "Gymnastik",
Ogratia-Verlag Dietmannsried,

Nackenbehandlung
Hand auf Bump
Schulterbehandlung

Fotos: Lukas Frey, sowie Bundesverband Osteopathie

Parietale Osteoathie: Behandlung der Faszien, Muskeln, Knochen und Gelenken des Körpers. A. T. Still, der Begründer der Osteopathie, fand heraus, dass mögliche Fehlstellungen (Läsionen) zu eventuellen Irritationen der Nerven und Gefäße führen können. In der parietalen Osteopathie versucht man, die Statik zu verbessern und die Selbstregulation des Körpers anzuregen.

Viscerale Osteopathie: Sie befasst sich mit der Behandlung der inneren Organe  und des Bauchfells. Sie versucht, die Bewegungseinschränkung zu beheben und die fehlende Flexibilität des betroffenen Organs wiederherzustellen. Dabei wird versucht, mögliche Bewegungseinschränkungen der Organe zu ertasten und deren Flexibilität wiederherzustellen, um eine gute Balance zwischen den inneren Organen und dem muskuloskelettalen System zu erhalten.

Craniosacrale Osteopathie: Diese Methode wurde von William Garner Sutherland (1873 – 1954) entwickelt. Er fand heraus, dass die Schädelknochen durch Membranen im Schädelinneren miteinander verbunden sind und ihre Bewegung durch diese Membranen koordiniert werden. Auch das Kreuzbein ist durch die Rückenmarkshaut mit diesem System verbunden. Mithilfe feinster Impulse auf das Nervenwasser versucht die CS-Osteopathie, Fixationen fester Körperstrukturen zu lösen.

Endocraniale Osteopathie: Durch die Arbeit am Nervensystem versucht diese recht neue Methode, eventuelle persönliche Traumata, welche auf Grund von unterschiedlichen Einflüssen (z.B. Gehirnerschütterung, Schock oder unbewusste Weitergabe familiärer Verstrickungen) auftreten können, zu erkennen und individuell zu behandeln. Diese Arbeit kann auch mit Systemischen Therapien wie z.B. Familienstellen (nicht in der Praxis angeboten) kombiniert werden. Die Wirksamkeit dieser Methode, wie auch die Osteopathie insgesamt, ist wissenschaftlich noch umstritten und beruht nicht auf evidenzbasierten Kenntnissen der Schulmedizin. In meinem langjährigen Berufsleben habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Osteopathie zum eigenen Wohlbefinden beitragen kann.

Osteopathie für Frauen: Es gibt viele Gründe, warum es schön ist, eine Frau zu sein. Manchmal empfinden wir aber auch das Gegenteil. In jedem Lebensabschnitt warten neue Herausforderungen auf uns, die es zu bewältigen gilt. Sei es die monatliche Menstruation und ihre möglichen Begleiterscheinungen, Unpässlichkeit während der Schwangerschaft oder die Wechseljahre. Dem weiblichen Körper wird oftmals viel abverlangt und deshalb sollte man ihm besondere Aufmerksamkeit schenken. Die Osteopathie versucht hier ein hilfreicher Begleiter in allen Phasen sein, indem sie sich auf Ihre persönlichen Belange einstellt und Ihnen auf Ihren Weg zu Ihrem individuellen Wohlbefinden zur Seite steht.

Osteopathie für Kinder: Kinder reagieren sensibel auf Störungen, z.B durch schwierige Schwangerschaften oder  Geburten, Stürze, Infektionen oder Operationen. Die Osteopathie strebt an, den Kleinsten mit verschiedensten Befindlichkeitsstörungen, motorischen Probleme oder Asymmetrien zu helfen. Bei den Größeren finden sich viele unterschiedliche Befindlichkeitsstörungen. Im Falle von Kopfweh- und Zahnspangenkindern und Kindern mit Konzentrationsstörungen ist die Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden und Optikern / Optometristen optimal.

Grenzen der Osteopathie: Die Osteopathie wird den alternativen Behandlungsmethoden zugeordnet und beruht nicht auf evidenzbasierten Kenntnissen der Schulmedizin. Sie sieht sich nicht als Ersatz der herkömmlichen Schulmedizin, sondern als deren Ergänzung. Die Untersuchungs-und Diagnosemethoden der Schulmedizin sind sehr fortgeschritten und sollten auf alle Fälle genutzt werden, insbesondere bei unklaren, anhaltenden Beschwerden. In manchen Fällen kann eine enge Zusammenarbeit der einzelnen Therapeuten ratsam sein. 

Ursprünge der Osteopathie: Andrew Taylor Still, der Entdecker der Osteopathie, wuchs in Virginia, USA als Sohn eines Predigers und Laienmediziners auf. Er studierte schon früh Anatomiebücher, machte sich mit der Medizin der Shawnee-Indianer vertraut, beobachtete ausgiebig die Natur und beschäftigte sich mit den damaligen alternativen Heilmethoden wie Magnetismus, Knochensetzen, spritistische Heilsitzungen usw. Aus seinem großen Erfahrungsschatz kristallisierte sich eine neue Philosophie, die er schließlich „Osteopathie“ nannte. Nach ihm kamen viele Therapeuten, welche sich den Grundsätzen der Osteopathie verschrieben haben und vervollständigten und verfeinerten allmählich die Osteopathie.

 

Still verstand sich darauf, kleinste Abweichungen in der Stellung des Skeletts in die Normalität zu bringen.  Der Ursprung des Wortes „Osteopathie“ stammt aus dem Griechischen: „Osteon“ = Knochen und „Pathos“ = Leiden. Er wählte diesen Namen für sein Therapiekonzept, weil er mit Forschungen am Knochen begann und er zunächst damit anfing, das knöcherne Skelett zu normalisieren.  Inzwischen wissen wir, dass nicht nur die Beweglichkeit der Knochen, sondern auch die der Organe, des Nervensystems und vor allem des dazwischen liegenden, alles verbindenden Gewebes (Bindegewebe, Faszien) wichtig für ein harmonisches körperliches Gleichgewicht ist. Wird diese Beweglichkeit eingeschränkt, so kann es in manchen Fällen zu einem Ungleichgewicht kommen, welches der Körper durch mögliche Beeinträchtigungen anzeigt

Die Osteopathie ist eine alternative Behandlungsmethode, die zur Untersuchung und Therapie der Hände bedient, wobei nicht nur der Körper als Funktionseinheit verstanden wird, sondern das Individuum in seiner Ganzheit erfasst und respektiert wird.

Die Osteopathie versucht durch sanfte Griffe die Harmonie des Gesamtorganismus wiederherzustellen und die Selbstregulation des Körpers anzuregen. Dabei sind präzise Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pathologie, Biomechanik, Embryologie ebenso wichtig, wie ein gutes Tastvermögen des Therapeuten.